Resilienz – Erwecke deine authentische Kraft

Resilienz – Erwecke deine authentische Kraft

Wie du dich ganzheitlich gegen Stress und Burnout wappnest

Kennst du die Top 3 Neujahrswünsche der Deutschen für 2018?

# 1: Weniger Stress.
# 2: Mehr Zeit für die Familie.
# 3: Gesünder leben.

Weniger Stress steht also ganz oben auf der Liste – vielleicht ja auch bei dir? Irgendwie ist Stress in den letzten Jahren zum Normalzustand geworden und führt dazu, dass immer mehr Menschen sich ausgebrannt und überfordert fühlen. Aber wie kommt es dazu? Stress ist doch eigentlich ein sehr sinnvolles Programm unseres Körpers, um in Extremsituationen, die unser Leben bedrohen, kurzfristig alle Kräfte zu mobilisieren. Es scheint aber, als würden wir uns mittlerweile im Dauer-Überlebens-Modus befinden. Kein Wunder also, dass der Körper „ausbrennt“. Was wir brauchen ist Resilienz – das heißt den Zugang zu unserer innewohnenden Kraft, die uns widerstandsfähig macht gegen Stress.

Stress ist ein multidimensionales Phänomen

Stress und Burnout sind aber keine rein physischen Phänomene, sondern sie spielen sich auf mehreren Ebenen ab. Wenn wir mal annehmen, dass es neben der rein physischen Körperebene, auch noch eine intellektuelle (Verstand, Gedanken), emotionale (Gefühle) und energetische (persönliche Energie) Körperebene gibt, können alle diese vier Ebenen durch bestimmte Faktoren in Stress geraten und zwar durch vielfältige Auslöser, die sich teilweise gegenseitig bedingen. Da ist es nicht verwunderlich, dass wir bei länger anhaltendem Stress irgendwann auch psychische Symptome wie Depression, Angstzustände oder eben Burnout entwickeln.

Wir befinden uns in Zeiten des Umbruchs. Die Welt verändert sich – und das fast täglich. Das heißt für uns, dass wir uns ebenfalls ständig auf neue Bedingungen einstellen müssen. Jede kleine Veränderung kann schon Stress auf allen Ebenen produzieren. Was im Normalfall kein Problem darstellt, denn wir sind eigentlich für die Anpassung an Veränderungen konzipiert.

Was uns allerdings in der Regel einen Strich durch die Rechnung macht, sind unsere erlernten „Denkprogramme“, die nämlich auf Sicherheit konditioniert sind, anstatt auf Lebendigkeit. Das heißt, statt die Veränderung willkommen zu heißen und mit unseren von der Natur eingerichteten „Evolutionsprogrammen“ kreativ darauf zu reagieren, versuchen wir mit aller Gewalt, diese zu kontrollieren und möglichst alles beim Alten zu lassen. Das erzeugt eine immense Spannung und damit zusätzlichen Stress. Und ich wage es, zu behaupten, dass nicht die Veränderungen an sich den ungesunden Dauer-Stress auslösen, sondern unsere Reaktion auf die Veränderungen. Unsere anerzogene, konditionierte Weigerung, die eigene Komfortzone auch nur ein wenig zu erweitern, geschweige denn, darüber hinaus zu gehen.

Der bewusste Umgang mit Gefühlen als Grundlage für Resilienz

Was also tun? Es gibt seit Jahren bereits vielfältige Angebote für Entspannung und „Stress-Management“. Meditation, Yoga, Wellness, Sport, positives Denken bis hin zur Psychotherapie oder medikamentöser Behandlung mit Psychopharmaka werden zur Beseitigung von Stressbelastung eingesetzt. Und sie helfen auch – allerdings nur teilweise und entsprechen so eher einer Symptom- statt einer Ursachen-Behandlung. Denn all diese Methoden sind hauptsächlich entweder auf den physischen Körper ausgerichtet oder auf den intellektuellen, während gleichzeitig aufkommende Gefühle eher sogar noch unterdrückt werden sollen und der energetische Körper meist überhaupt nicht beachtet wird. Dabei spielen gerade die Gefühle beim Stress-Management bzw. auch bei der Entstehung von Stress, Depression und Burnout eine entscheidende Rolle, die grundsätzlich unterschätzt bzw. falsch eingeschätzt wird.

Gehen wir das mal Schritt für Schritt durch. Wie bereits erwähnt, leben wir gerade in Zeiten großer Umbrüche und Veränderungen. Die natürliche menschliche Reaktion auf Veränderung auf der emotionalen Ebene ist das Gefühl „Angst“. Veränderung macht ganz natürlicher Weise Angst – manchmal mehr und manchmal weniger. Das ist das oben erwähnte von der Natur vorgesehene „Evolutions-Programm“. Denn Angst erzeugt Stress, um Ressourcen zu mobilisieren, auf die du im Normalzustand nicht zugreifen kannst. Es wird Adrenalin ausgeschüttet. Du wirst wach, erfinderisch, kreativ, schnell und bekommst Zugang zu deiner Intuition. Alles Fähigkeiten, die du brauchst, um Neuland zu entdecken. In Zeiten von Veränderung ist Angst also dein bester Verbündeter. EIGENTLICH!

Du ahnst wahrscheinlich schon, wo das Problem liegt. Das Problem ist, dass wir die Angst selbst zum Problem gemacht haben. Angst wurde zum „Feind“ erklärt, weil Angst ein Auslöser von Stress ist und sie uns unserer Illusion von Sicherheit beraubt. Wir wollen uns doch sicher fühlen, da ist Angst einfach kontraindiziert. Also versuchen wir, so gut wie möglich, die Angst „wegzumachen“, sie nicht zu fühlen, sie nicht aufkommen zu lassen – sei es durch Meditation, positives Denken, „Scheiß-Egal-Pillen“ oder indem wir uns einfach durch Ablenkung „taub“ machen. Das Dumme ist, die Angst ist trotzdem da, sie wabert dann im Untergrund – und damit auch der Stress, der andauernde Adrenalinausstoß, etc. bis wir eben ausgebrannt sind oder sich die Angst nachts, wenn wir keine Kontrolle mehr über unsere Taubheit haben, in Panikattacken einen Weg bahnt.

Dabei wäre die einzig gesunde Art, die Angst loszuwerden, sie bewusst zu nutzen, nämlich dafür, wofür sie gedacht ist. Angst kommt auf – du nutzt sie, z.B. um deinen nächsten Evolutionsschritt zu machen – und sie verschwindet wieder, zusammen mit dem Stress. So einfach wäre das. Leider haben wir das nicht gelernt. Wir haben nicht gelernt bewusst, erwachsen und gesund mit Angst umzugehen. Und genauso wenig mit den anderen Gefühlen, wie Traurigkeit, Wut und Freude. Und diese mangelnde emotionale Fähigkeit wird vielen Menschen in diesen Zeiten zum Verhängnis.

Daher liegt in bewusster Gefühlsarbeit ein bedeutender Schlüssel zur Entwicklung von authentischer Resilienz. So wie du mit Krafttraining und der richtigen Ernährung deinen physischen Körper trainieren und widerstandsfähig machen kannst, kannst du mit bewusster Gefühlsarbeit auch deinen emotionalen Körper kraftvoll und widerstandsfähig machen – und zwar ohne deine Gefühle zu betäuben.

Schlüssel Nummer 2: der bewusste Umgang mit deiner persönlichen Energie

Die Betrachtung der energetischen Ebene in Bezug auf Stress bzw. Resilienz ist ebenfalls herausfordernd, da die meisten Menschen sich gar nicht darüber bewusst sind, dass sie einen energetischen Körper haben. Auch hierüber hast du wahrscheinlich noch nicht viel gehört oder gelernt, außer du machst zufällig Yoga oder Tai Chi oder liest einschlägige Schriften, wie die von Rupert Sheldrake. Deine persönliche Energie ist unsichtbar und damit schwer zu fassen oder zu beschreiben. Ein einfaches Beispiel macht vielleicht deutlich worüber ich spreche. Vielleicht kennst du folgende Situation. Du möchtest shoppen gehen und verbringst einen Nachmittag in einer belebten Innenstadt oder einem gut frequentierten Einkaufszentrum. Wie fühlst du dich nach ein paar Stunden in der bewegten Menge? Die meisten Menschen fühlen sich danach schlapp und energetisch ausgelaugt.

Energie ist eine heiß begehrte Ware – und da spreche ich nicht nur von Strom oder Benzin, sondern auch von deiner persönlichen Energie. Die ist nämlich ähnlich wertvoll wie Strom. Deine Energie ist verbunden mit deine Aufmerksamkeit. „Where your attention goes, your energy flows“, ist ein zumindest in Yogakreisen bekannter Spruch. Deine Energie folgt deiner Aufmerksamkeit. Worauf du dich konzentrierst, da geht auch deine Energie hin. Und da Energie kostbar ist, wollen sie alle haben und versuchen daher, mit allen Mitteln deine Aufmerksamkeit zu bekommen. Sei es das Schuhgeschäft mit seinem schön geschmückten Schaufenster – und natürlich auch alle anderen Geschäfte, die deine Energie in Form von Geld haben wollen – oder seien es die Medien, die Werbung, Politiker, dein Arbeitgeber oder einfach auch deine Mitmenschen, deine Familie, deine Kinder, etc. Alle wollen ein wenig von deiner Energie haben.

Und wenn du nicht aufpasst und bewusst mit deiner Aufmerksamkeit und damit mit deiner persönlichen Energie umgehen kannst, kann es passieren, dass du Ruckzuck keine Energie mehr für dich selbst übrig hast bzw. für die Dinge, die dir wichtig sind. Es gibt aber auch noch andere Faktoren, die dir unbemerkt Energie rauben können. Zum Beispiel unerledigte Aufgaben auf deiner To Do Liste, vollgestellte Räume, in denen keine Klarheit herrscht, ein zu unordentlicher Schreibtisch, unbezahlte Rechnungen, unausgesprochene Worte oder wenn du mit deinen Gedanken ständig in der Zukunft oder in der Vergangenheit bist. All diese Dinge wirken wir kleine Löcher in deinem energetischen Körper, aus denen kontinuierlich deine Energie entweicht.

Neben der bewussten Gefühlsarbeit ist daher auch das Trainieren des energetischen Körpers, also das Erlernen des bewussten und verantwortlichen Umgangs mit deiner persönlichen Energie entscheidend, um ganzheitliche Resilienz zu entwickeln. Ganzheitliche oder authentische Resilienz und damit eine gesunde Stress-Prophylaxe erfordern das Trainieren aller vier Körperebenen, da du ansonsten eher Taubheit erzeugst, als echte Widerstandskraft.

Herzlichst
deine Patrizia

Dein wahres Leben beginnt erst dann, wenn du bereit bist zu sterben

Dein wahres Leben beginnt erst dann, wenn du bereit bist zu sterben

Wie wir unsere Lebendigkeit unserer unbewussten Angst zu sterben opfern

Kennst du dieses Zitat von Norman Cousins?

Der Tod ist nicht der größte Verlust im Leben.

Der größte Verlust ist das, was in uns stirbt, während wir leben.“

Ich würde sogar sagen, der größte Verlust im Leben, sind die Dinge, die wir in uns sterben lassen, während wir leben. Ist das nicht paradox? Unsere Angst zu sterben ist so groß, dass wir gar nicht merken, dass wir das, was wir so sehr fürchten, bereits jetzt in unserem Leben erzeugen. Wir opfern unsere Lebendigkeit auf dem Altar der Angst und werden so zu lebenden Toten – quasi Zombies – die furchtbar penibel darauf achten, kein Risiko einzugehen. Ansonsten könnten wir ja wirklich sterben. Aber wo bitteschön ist der Unterschied zwischen lebendig tot und wirklich tot? Hast du dich das schon mal gefragt?

Und so kreieren wir uns ein Leben voller Mittelmäßigkeit und jeder Menge Hintertürchen. Und das System – unsere aktuelle Kultur – versucht, so gut es geht ihren Nutzen und Profit aus diesem Umstand zu ziehen. Ein Großteil unserer Wirtschaft und unsere Sozialsysteme bauen auf dieser Basis unbewusster Angst auf. Die Versicherungsbranche, das Bankenwesen, die Immobilienbranche, aber auch unser Arbeitsmarkt und das System abhängiger Arbeit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer basieren auf diesem Überlebenskampf – um nur einige Beispiele zu nennen. Lebende Tote lassen sich eben viel leichter steuern und manipulieren – sei es von der Werbung oder von der Politik.

Zombies

Was lassen wir alles in uns sterben? Schon während unserer Schulzeit stirbt sehr viel in uns, denn unser Schulsystem ist nicht darauf ausgerichtet, kreative und selbständig denkende, unterschiedliche Persönlichkeiten zu bilden. Wir werden bereits zu dieser Zeit darauf getrimmt, in einem Umfeld von Konkurrenz und Bewertung zu überleben. Die Angst zu sterben schwingt die ganze Zeit auf der Metaebene mit. Denn wenn du keine guten Noten hast, schaffst du deinen Abschluss nicht und bekommst keinen Job, hast somit kein Geld und landest letztendlich unter einer Brücke. Und von da aus ist es nur ein kurzer Schritt ins … Nichts. Also lassen wir unsere Kreativität sterben, unsere Unbeschwertheit, unsere Einzigartigkeit und unseren Mut, nach dem WARUM zu fragen,  …

Nach Schule und Studium geht es weiter und es dreht sich alles darum, einen guten Job zu ergattern. Gut heißt in diesem Spiel, sicher und gut bezahlt, inklusive aller Sozialleistungen. Gut heißt nicht, dass dieser Job irgendetwas mit unseren Talenten, unserer Leidenschaft oder unserer Berufung zu tun hat. Wenn die Arbeit halbwegs unseren Talenten entspricht, ist das ein Segen, aber dieser Faktor steht nicht an erster Stelle. Die Angst zu sterben schwingt die ganze Zeit auf der Metaebene mit. Immerhin müssen wir unsere Miete bezahlen und unsere Familie ernähren. Und wenn du keinen sicheren, gut bezahlten Job hast, hast du irgendwann kein Geld mehr und landest unter einer Brücke – zusammen mit deiner Familie. Und von dort aus ist es nur ein kurzer Schritt ins … Nichts. Also lassen wir unsere Vision und unsere Begeisterung sterben, unsere Berufung, unsere Abenteuerlust und unsere Neugier und übergeben unsere Autorität unserem Chef oder dem Staat.

In meiner Coachingpraxis erarbeite ich mit meinen Klienten das, was ihre wahre Berufung ist. Gemeinsam erstellen wir eine klare Vision von dem, was sie in dieser Welt wirklich bewirken möchten und aufgrund der ihnen gegebenen Talente auch in der Lage wären, zu tun. Am Ende des Coachings steht sogar ein klarer Plan, wie sie ihre Vision Schritt für Schritt umsetzen können. Doch trotz dieser Klarheit und der Sehnsucht, dieser Vision zu folgen, bleiben viele lieber in ihrer sicheren Komfortzone, weil die unbewusste Angst zu sterben einfach größer ist.

William Wallace

„Kämpft und Ihr sterbt – vielleicht, flieht und Ihr lebt – wenigstens eine Weile. Und wenn Ihr dann in vielen Jahren sterbend in Eurem Bett liegt, wäret Ihr dann nicht bereit, jede Stunde einzutauschen von heute bis auf jenen Tag, um einmal nur wieder hier stehen zu können …“

Braveheart, 20th Century Fox

Und um all das innere Sterben ertragen zu können, müssen wir auch unsere Gefühle sterben lassen. Wir werden taub und gefühllos – lebende Tote. Ansonsten würde der Schmerz über all das Sterben uns überwältigen. Unsere Häuser – gekauft oder gemietet – werden zu Gefängnissen und Gräbern. All die Dinge, die wir uns anschaffen, um uns sicher zu fühlen, beginnen uns zu besitzen, weil sie unsere Aufmerksamkeit, unsere Zeit und unser Geld absorbieren. Wir arbeiten nicht aus Begeisterung und um unseren einzigartigen Beitrag zum großen Ganzen zu leisten, sondern allein, um zu überleben.

Gleichzeitig nehmen wir aber auch nicht mehr wahr, was um uns herum alles stirbt. Die Taubheit, die wir uns selbst gegenüber erzeugt haben, macht uns auch taub gegenüber dem Sterben das auf dem Planeten Erde vor sich geht. Eine Tatsache, die uns langfristig wirklich bedrohen und in einen Überlebenskampf bringen könnte.

Was uns wirklich fehlt, ist die Bereitschaft zu sterben. Wir vergeuden all unsere Energie darauf, vermeintliche Sicherheit zu erlangen und laufen damit einer Illusion hinterher. Mehr noch, wir verkaufen unsere Seele an diese Illusion. Der Tod ist untrennbar mit dem Leben verbunden. Wir werden sterben – früher oder später. Warum also nicht die Zeit nutzen und einen Unterschied bewirken? In den meisten indigenen Kulturen gibt es einen rituellen Übertritt ins Erwachsensein, bei denen die Jugendlichen wirklich ihr Leben aufs Spiel setzen. Sie verbringen zum Beispiel eine Woche alleine in der Wildnis, ohne Essen oder zusätzliche Kleidung dabei zu haben. Sie machen die Erfahrung, wie es ist, als Erwachsener mit dem Tod als ständiger und natürlicher Begleiter des Lebens, zu agieren. Wenn sie es schaffen und zurück in ihr Dorf kommen, werden sie gefragt, welchen Beitrag sie zum großen Ganzen leisten wollen und werden dann als Erwachsene in die Dorfgemeinschaft aufgenommen.

In unserer modernen westlichen Kultur bleibt uns diese Erfahrung vorenthalten. Wir machen nicht die Erfahrung, dass wir trotz Angst und der Gefahr zu sterben, in der Lage sind, lebendig zu sein und unserer einzigartigen Vision zu folgen. Deshalb glauben wir auch nicht daran, dass das möglich ist. Aber wir können verändern, was wir glauben. Es gibt bereits viele Menschen, die das getan haben.

Raphael Fellmer Raphael Fellmer, “Glücklich ohne Geld”

Dazu bedarf es lediglich einer Entscheidung. Wenn wir wirklich unser volles Potenzial leben wollen, unsere Berufung, eine nährende und intensive Beziehung, 100 % Lebendigkeit und ein Leben geprägt von Sinnhaftigkeit und Begeisterung, bedarf es dieser Entscheidung. Bist du wirklich bereit, zu sterben?

Herzlichst,

Eure Patrizia

Nützliche Fragen:

  • Was hast du alles in dir sterben lassen, seitdem du auf der Welt bist?
  • In Bezug auf was, stellst du dich jetzt gerade tot?
  • Was könntest du alles tun, wenn du wirklich bereit wärest, zu sterben?
  • Stell dir dich vor mit 80, 90 oder 100 Jahren und du liegst auf deinem Totenbett – welche Dinge in deinem Leben würdest du wirklich bedauern, dass du sie nicht getan hast?
  • Was glaubst du müsste alles passieren, damit du anfängst wirklich zu leben?

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Ohne Zugang zu unseren Gefühlen sind alle gängigen Kommunikation-Tools nutzlos

Ohne Zugang zu unseren Gefühlen sind alle gängigen Kommunikation-Tools nutzlos

Warum Gewaltfreie Kommunikation und Co. nur Pflaster auf unserer Gefühls-Taubheit sind

Die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg (GfK) ist an sich ein wunderbares und nützliches Kommunikationsmodell, welches uns theoretisch ermöglicht, beziehungsfördernd mit unseren Mitmenschen umzugehen. Ähnliches gilt für die Kommunikationstechniken der Transaktionsanalyse nach Eric Berne oder auch das 4-Ohren-Modell von Friedemann Schulz-von Thun, um nur einige der derzeit gängigen Kommunikations-Werkzeuge zu nennen. Alle diese Tools haben aber einen entscheidenden Nachteil.

Um wirklich zu funktionieren, erfordert die Anwendung dieser Werkzeuge ein hohes Maß an Bewusstsein in Bezug auf sich selbst und auf das, was gerade passiert, sowie die Fähigkeit, zu fühlen und Gefühle auszudrücken. Und genau da liegt der Hund begraben. Während wir uns darüber einig sind, dass alle Menschen Gefühle haben, ist die Fähigkeit, zu fühlen und Gefühle auszudrücken in unserer modernen, technisierten Gesellschaft hingegen nicht sehr weit verbreitet. Anstatt Fühlen zu lernen, lernen wir von Beginn unseres Lebens an, das Fühlen zu verlernen und Gefühle zu unterdrücken. Von allen Seiten bekommen wir schon während unserer Kindheit das Signal, dass Gefühle nicht in Ordnung und schon gar nicht professionell sind, sondern nur etwas für weinerliche kleine Mädchen.

Wir leben in einer Welt, in der Gefühle als Krankheit gesehen werden, die psychologischer Behandlung bedarf. Was auch nicht verwunderlich ist, da wir gelernt haben, unsere Gefühle so stark zu unterdrücken, dass sie erst zum Vorschein kommen, wenn sie so groß geworden sind, dass das Sicherheitsventil auf unserem Gefühls-Safe dem steigenden Druck nicht mehr standhalten kann und abspringt. Dieser Zustand hat unterschiedliche Gesichter: psychischer Zusammenbruch, Burnout, Angstattacken, Wutanfälle, Depression, etc. Und schon wieder bestätigt sich unsere gelernte Überzeugung, dass Gefühle nicht in Ordnung – ja sogar lebensgefährlich – sind. Hat Gott da irgendeinen Fehler gemacht, dass er dem Menschen Gefühle mitgegeben hat? Bewusst oder unbewusst halten wir Gefühle für einen göttlichen Konstruktionsfehler, den wir mit unterschiedlichsten Strategien zu korrigieren versuchen. Um nichts zu fühlen, sehen wir fern, betäuben uns mit Alkohol, übermäßigem Essen oder Nikotin, versuchen uns mit jeder Menge Entertainment oder Arbeit abzulenken – schlimmstenfalls hilft vielleicht eine ausgedehnte Shopping Tour.

Aber zurück zu den Kommunikationsmodellen. In Schritt 2 der gewaltfreien Kommunikation beispielsweise geht es darum, auszudrücken, was man in Bezug auf die Situation fühlt. Wenn wir aber nicht in der Lage sind zu fühlen, was genau werden wir dann zum Ausdruck bringen? Wenn ich meine Klienten im Coaching frage, was sie fühlen, bekomme ich zahlreiche bunte Antworten. Nur die wenigsten Antworten haben wirklich etwas mit Gefühlen zu tun. Gut, schlecht, so lala, verwirrt, verletzt, angeschlagen, super, ohnmächtig, frustriert, genervt, ok, verschnupft … bis zu „Ich hab Rückenschmerzen“. Was davon ist ein Gefühl? Ist ‚gut‘ oder ‚schlecht‘ ein Gefühl? Ist ‚verwirrt‘ ein Gefühl? Sind ‚Rückenschmerzen‘ ein Gefühl? Erst wenn sie die erste Unterscheidung in Bezug auf Gefühle haben, z.B. dass es lediglich vier Grundgefühle gibt, nämlich Wut, Traurigkeit, Angst und Freude, beginnen meine Klienten mit dieser neuen Klarheit innerlich zu navigieren und erste Schritt in ihre Gefühlswelt zu machen.

In uns gibt es eine tiefe Sehnsucht, mit unseren Mitmenschen authentisch und beziehungsfördernd zu kommunizieren und in echter, nährender Verbindung zu sein. Wir sehnen uns nach Gemeinschaft, Nähe und Liebe. Deshalb arbeiten Menschen auch hart an sich, um z.B. ihre Kommunikation zu verändern und lernen Kommunikations-Werkzeuge. Ohne zu merken, dass sie damit versuchen, den zweiten Schritt vor dem ersten zu tun. Denn der erste Schritt ist unbequem! Gefühlsarbeit besteht aus zwei Phasen. Bevor wir lernen können, unsere Gefühle authentisch und verantwortlich auszudrücken, müssen wir zunächst wieder lernen, zu fühlen und unsere Gefühls-Taubheit Stück für Stück zu reduzieren. Ansonsten sind alle Versuche, mit Kommunikations-Tools andere Ergebnisse im Umgang mit unseren Mitmenschen zu erreichen, lediglich Pflaster, die wir über unsere Gefühlswunden kleben. Sie bringen keine Heilung und langfristig auch keine neuen Resultate. Wer gewaltfreie Kommunikation lernt, um seine Wut in den Griff zu kriegen oder weil der Ausdruck von Wut für ihn nicht in Ordnung ist, ist leider auf dem Holzweg. Denn die Wut wird dadurch nicht weggehen, sie wird im Gegenteil nur umso mehr in die Unbewusstheit gedrängt – bis irgendwann wieder das Ventil versagt. Um gewaltfrei kommunizieren zu können, ist es zunächst notwendig, zu lernen, die eigene Wut überhaupt erst einmal wahrzunehmen, mit dem eigenen inneren Krieger in Kontakt zu kommen und unsere erlernte Haltung in Bezug auf die Wut zu verändern. Das gleiche gilt natürlich auch für die anderen Gefühle.

Gefühlsarbeit schafft neue Resultate in Beziehungen … und ist Spaß auf hohem Niveau!

Herzlichst,
Eure Patrizia

Resilienz ohne Verletzlichkeit ist Taubheit

Resilienz ohne Verletzlichkeit ist Taubheit

Wenn du nicht verletztlich bist, ist deine Widerstandskraft inauthentisch

Vor ein paar Tagen war ich in einer Buchhandlung, um mir neuen Lesestoff zu besorgen. Im Bestseller-Regal stand ein Buch, das meine Aufmerksamkeit erregte. Es trug den Titel ‚Resilienz: Das Geheimnis der psychischen Widerstandskraft – Was uns stark macht gegen Stress, Depressionen und Burn-out‘. Ich gebe zu, ich habe das Buch nicht gekauft und nicht gelesen, allerdings habe ich mich danach mit dem Begriff ‚Resilienz‘ beschäftigt. In Wikipedia fand ich folgende Definition: Resilienz (lat. resilire ‚zurückspringen‘ ‚abprallen‘, deutsch etwa Widerstandsfähigkeit) ist die Fähigkeit, Krisen durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen zu meistern und als Anlass für Entwicklungen zu nutzen. Die Psychologie geht davon aus, dass die Fundamente dieser ‚Widerstandskraft‘ bereits in der Kindheit gelegt werden und es Menschen gibt, die diese Fähigkeit von Natur aus entwickeln. Resilienz wird auch verglichen mit dem Immunsystem der Seele oder mit ‚Hornhaut‘ auf der Seele. So weit, so gut. Ein Teil der Definition auf Wikipedia hat mich aber dann stutzig gemacht. Dort heißt es: Das Gegenteil von Resilienz ist Vulnerabilität (Verwundbarkeit). Wusste ich doch, dass da irgendetwas faul ist!

Wäre ich irgendwann mal von einem Psychologen daraufhin untersucht worden, hätte man mir mit Sicherheit Resilienz bescheinigt. Resiliente Kinder werden (laut Wikipedia) von ihren Erzieherinnen beschrieben als anpassungsfähig, belastbar, aufmerksam, tüchtig, gescheit, neugierig und voller Selbstvertrauen. Genauso war ich als Kind, aber auch als Jugendliche und als junge Erwachsene – auch wenn das Selbstvertrauen wohl eher gespielt war, denn ich hatte nicht wirklich Selbstvertrauen. Denn tief in mir war die Überzeugung aktiv, nicht gut genug zu sein. Meine ganze Widerstandkraft beruhte also auf nichts anderem, als auf einer ausgeklügelten, vielfach getesteten Überlebensstrategie (inklusive schauspielerischer Fähigkeiten), die nichts, aber auch gar nichts mit authentischer Widerstandskraft zu tun hatte. Ich war überaus erfolgreich damit und mein Umfeld beneidete mich um meine positive Einstellung. Ich war allseits beliebt und gerne gesehen, schaffte jede Prüfung und steckte Krisen und schwierige Situationen unglaublich schnell weg – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Das ging so lange gut, bis der Ort, wohin ich alles ‚wegsteckte‘ irgendwann voll war. Dann war es erst mal vorbei mit der Resilienz! Sie können sich vorstellen, was dann passiert ist.

Meine eigene Erfahrung lässt mich vermuten, dass die in der Psychologie so hochgepriesene Resilienz bei vielen Menschen oftmals genau das ist: eine als Überlebensstrategie entwickelte überdurchschnittliche Fähigkeit, sich anzupassen, Gefühle zu betäuben und sich dabei selbst und anderen etwas vorzumachen. Es ist ein Unterschied, ob ich schwierige Lebenssituationen gut ertragen und wegstecken kann oder ob ich wirklich gelernt habe, damit umzugehen und sie für mein Leben zu nutzen. Ersteres kann erreicht werden, indem wir uns so gut wie möglich taub machen und positiv denken. Authentische, echte Resilienz kann aber nur letzteres bedeuten.

Brene Brown, eine amerikanische Sozialforscherin, beschäftigte sich lange Zeit mit dem Phänomen von glücklichen Menschen. Sie fand im ersten Schritt heraus, dass das Gefühl von Verbindung (connection) einen Schlüsselfaktor für glückliche Menschen darstellt und zwar in allen Dimensionen: Verbindung zu anderen, zu sich selbst, zur Welt, zu dem was man tut. Sie fand weiterhin heraus, dass diese Verbindung oftmals durch die Angst, nicht zu genügen und nicht liebenswert zu sein, gestört ist. Das Gefühl von Scham unterbricht sozusagen diese Anbindung und lässt uns aus der Verbindung gehen. Brene Brown definiert in ihrem TED-Talk ‚The power of vulnerability‘ Scham als die Angst vor dem Abgetrenntsein, im Sinne von „Wenn die anderen mich so sehen, wie ich wirklich bin, dann werde ich ausgestoßen, weil ich nicht gut genug und der Verbindung nicht würdig bin.“ Die Krux liegt aber darin, dass echte Verbindung erst zustande kommt, wenn wir authentisch sind und uns den anderen so zeigen, wie wir wirklich sind – mit all unseren Fehlern und Unvollkommenheiten. Brene hat entdeckt, dass es in ihrer Forschung zwei Gruppen von Menschen gab: diejenigen, die sich trotz ihrer Fehler und Unvollkommenheit für würdig erachteten, in Verbindung zu sein und diejenigen, die sich für nicht gut genug hielten, wenn die anderen herausfinden würden, wie sie wirklich sind. Sie befasste sich genauer mit der ersten Zielgruppe und fand heraus, dass die Menschen dieser Gruppe alle folgende drei Eigenschaften aufwiesen: den Mut bzw. die Beherztheit (courage), sich mit ihren Unvollkommenheiten zu zeigen, Mitgefühl (compassion) sich selbst und anderen gegenüber und Verbindung (connection) – und zwar als Folge ihrer Authentizität. Diese Menschen waren also bereit, verletzlich zu sein und die Angst vor Ausgrenzung in Kauf zu nehmen, um in Verbindung zu gehen.

Das Ergebnis ihrer Forschung brachte Brene Brown zu folgender Erkenntnis: Verletzlichkeit ist einerseits der Kern von Scham und Angst, sie ist aber auch gleichzeitig der Geburtsort von Kreativität, Freude, Liebe und Zugehörigkeit – sie ist das Geheimrezept glücklicher Menschen. Und ich würde noch weiter gehen: Verletzlichkeit ist geradezu die Voraussetzung für authentische Resilienz! Also nicht die Resilienz, die so tut als ob und die Dinge ‚wegsteckt‘. Nicht die Resilienz, die versucht durch positives Denken das Gefühl von Scham und Angst zu überdecken, um es nicht zu fühlen. Nicht die durch eine möglichst hohe Taubheit ‚erkaufte‘ Fähigkeit, sich selbst vorzumachen, dass uns nichts umwerfen kann. Die Resilienz, von der ich spreche, authentische Resilienz, wird aus Verletzlichkeit geboren, also aus der Bereitschaft und der Fähigkeit, Schmerz zu fühlen und in Kauf zu nehmen. Schmerz in Form von Wut, Angst, Traurigkeit und Freude. Und diesen Schmerz dann als Treibstoff zu nutzen, um unser Leben nach unserer Vision zu gestalten.

Genauso wie wir unser körperliches Immunsystem aufbauen können durch bewusste und gesunde Ernährung, bewusstes Köpertraining usw. können wir das Immunsystem unseres emotionalen Körpers aufbauen und stärken, indem wir wieder lernen, zu fühlen. Authentische Resilienz entsteht also nicht dadurch, dass wir eine möglichst dicke ‚Hornhaut‘ auf der Seele entwickeln, um Schmerz nicht zu fühlen, sondern indem wir unsere ‚Gefühlsmuskeln‘ so trainieren und geschmeidig halten, dass wir den Schmerz bereits dann fühlen, wenn er noch nicht überwältigend groß geworden ist und wir ihn als Hinweis wahrnehmen können, dass es etwas zu tun gibt.

Bewusste Gefühlsarbeit ist ein Training für authentische Resilienz.

Herzlichst

Eure Patrizia

Den TED-Talk von Brene Brown ‚The Power of Vulnerabilty‘ kann ich euch nur ans Herz legen. Er ist in Englisch, aber ihr könnt deutsche Untertitel dazuschalten: http://www.ted.com/talks/brene_brown_on_vulnerability

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